Bye-bye Beinstrecker? Warum die Beinpresse die bessere Wahl ist

Bye-bye Beinstrecker? Warum die Beinpresse die bessere Wahl ist

Kyle Kranz auf unsplash /Marcus Chan Pixabay

In der facettenreichen Welt des Beintrainings existiert eine fortwährende Diskussion darüber, welche Gerätschaft den größeren Nutzen verspricht: die Beinpresse oder der allseits bekannte Beinstrecker. Obgleich beide Maschinen ihre spezifischen Anwendungsbereiche aufweisen, verdichten sich die Argumente zugunsten der Beinpresse in den meisten Trainingsszenarien zu einem überzeugenden Gesamtbild.

Um die Präferenz für die Beinpresse fundiert zu verstehen, ist eine eingehende Betrachtung der Konzepte muskulärer Ketten, der körpereigenen Propriozeption sowie des Trainings in einem sogenannten geschlossenen System unerlässlich. Diese fundamentalen Faktoren beeinflussen nicht nur die unmittelbare Effektivität der jeweiligen Übungsausführung, sondern entfalten ihre Wirkung ebenso auf die langfristigen Errungenschaften in Bezug auf allgemeine Fitness, sportliche Leistungsfähigkeit und die essenzielle Prävention von Verletzungen.

Die Beinpresse: Ganzheitliche  Beinmuskulaturaktivierung

Die Beinpresse präsentiert sich als eine sogenannte Verbundübung, ein wahrer Alleskönner, der simultan eine Vielzahl von Muskelgruppen in den unteren Extremitäten anspricht und somit eine synergetische Wirkung entfaltet. Während der Beinstrecker primär und isoliert die vordere Oberschenkelmuskulatur, den kräftigen Quadrizeps, in den Fokus rückt, initiiert die Beinpresse ein breiteres Spektrum an Muskelaktivität.

Neben der intensiven Beanspruchung des Quadrizeps werden hierbei ebenfalls die antagonistisch wirkende hintere Oberschenkelmuskulatur, die Hamstrings, die kraftvolle Gesäßmuskulatur, der Gluteus maximus, sowie die dynamischen Wadenmuskeln in die Bewegung integriert. Diese umfassende und synergetische Muskelaktivierung ist von elementarer Bedeutung für die Entwicklung einer ausgewogenen und vor allem funktionellen Kraftentfaltung in den Beinen, die über reine Muskelmasse hinausgeht und die Grundlage für komplexe Bewegungsabläufe bildet.

Ein weiterer nicht zu unterschätzender Vorteil der Beinpresse manifestiert sich in der Tatsache, dass sie in einer sogenannten geschlossenen kinetischen Kette ausgeführt wird. Dies impliziert, dass die Füße des Trainierenden während der gesamten Bewegungsamplitude einen konstanten und festen Kontakt mit einer stabilen Oberfläche, der Fußplatte, beibehalten. Hierdurch werden Bewegungsmuster auf natürliche Weise simuliert, die in zahlreichen alltagstauglichen Aktivitäten wie dem Gehen, dem dynamischen Springen oder dem kraftvollen Heben von Lasten ihre Entsprechung finden.

Im diametralen Gegensatz hierzu steht der Beinstrecker, welcher als eine Übung der offenen kinetischen Kette klassifiziert wird, da die Füße während der Ausführung frei im Raum beweglich sind. Diese offene Kettenbewegung gestaltet die Übungsausführung weniger funktionell und weniger direkt auf alltägliche oder sportspezifische Belastungen übertragbar, da isolierte Beinbewegungen dieser Art im realen Leben oder im sportlichen Kontext kaum in reiner Form vorkommen.


Propriozeption als Schlüssel zur Bewegungseffizienz

Die Propriozeption, oft auch als Tiefensensibilität oder Körpergefühl bezeichnet, umschreibt die bemerkenswerte Fähigkeit des menschlichen Körpers, die eigene Position im Raum sowie die Bewegung einzelner Körperteile präzise wahrzunehmen, ohne dass hierfür zwingend visuelle Informationen erforderlich wären. Diese unbewusste Wahrnehmung spielt eine absolut zentrale Rolle bei der Optimierung der Bewegungseffizienz, der Feinabstimmung motorischer Abläufe und nicht zuletzt bei der effektiven Prävention von potenziellen Verletzungen.

Im Rahmen des Trainings in einem geschlossenen System, wie es die Beinpresse auf ideale Weise ermöglicht, wird die Propriozeption in besonderem Maße gefordert und somit auch nachhaltig gefördert. Der Grund hierfür liegt in der Notwendigkeit des Körpers, sich aktiv zu stabilisieren, während er die externe Last des Gewichts kontrolliert bewegt. Dieser kontinuierliche Stabilisierungsprozess beansprucht nicht nur die primären, großen Muskelgruppen der Beine, sondern involviert gleichzeitig auch eine Vielzahl von unterstützenden und stabilisierenden Muskeln in den angrenzenden Regionen wie der Hüfte, dem Rumpf und dem unteren Rücken.

Diese synergistische Aktivierung kleinerer Muskelgruppen trägt maßgeblich zur Verbesserung der Gelenkstabilität und der allgemeinen Körperkontrolle bei. Im direkten Vergleich hierzu entfällt beim Beinstrecker dieser essenzielle Stabilisierungsbedarf weitestgehend, da die Konstruktion des Geräts den Körper in einer relativ starren und fixierten Position hält.

Dadurch werden viele kleine, aber für die funktionelle Stabilität und Koordination eminent wichtige Muskelgruppen nicht oder nur in geringem Umfang aktiviert, was potenziell langfristig zu muskulären Dysbalancen und einer erhöhten Verletzungsgefahr  führen kann. Für all jene, die ihre Propriozeption gezielt verbessern und ihre Ganzkörperkoordination optimieren möchten, stellt die Beinpresse somit die deutlich sinnvollere und effektivere Trainingsoption dar.

Die Überlegenheit der Mehrgelenkbewegung bei der Beinpresse

Ein weiterer gewichtiger Aspekt, der im direkten Vergleich zwischen der Beinpresse und dem isolierenden Beinstrecker eine entscheidende Rolle spielt, ist das fundamentale Konzept der Muskelketten. Muskelketten sind als funktionelle Einheiten zu verstehen, in denen verschiedene Muskelgruppen miteinander verbunden sind und in einer koordinierten Weise zusammenarbeiten, um komplexe Bewegungen effizient auszuführen. Die Beinpresse, als eine Paradebeispiel einer Mehrgelenksübung, demonstriert auf eindrucksvolle Weise die Synergie dieser Muskelketten.

Während der Bewegungsausführung interagieren mehrere Muskelgruppen auf harmonische Weise, um die externe Last des Trainingsgewichts zu bewältigen. Die Bewegung involviert hierbei nicht nur das Kniegelenk als zentrales Element, sondern bezieht aktiv auch das Hüft- und das Sprunggelenk mit ein. Diese ganzheitliche und gelenkübergreifende Muskelaktivierung gewährleistet eine funktionelle Kraftentwicklung, die sich deutlich besser auf natürliche und komplexe Bewegungsabläufe im Alltag und im sportlichen Kontext übertragen lässt.

Der Beinstrecker hingegen präsentiert sich als eine primär isolierende Übung, die ihren Fokus nahezu ausschließlich auf die Beanspruchung des Quadrizeps richtet, während andere für eine gesunde und funktionelle Beinbewegung unerlässliche Muskelgruppen weitestgehend unberücksichtigt bleiben. Diese einseitige Belastung kann im Laufe der Zeit dazu führen, dass die Quadrizepsmuskulatur überproportional stark wird, während andere synergistisch wirkende Muskelgruppen, die für eine stabile und gesunde Beinbewegung essenziell sind, vernachlässigt werden.

Ein solches muskuläres Ungleichgewicht kann potenziell das Risiko von Knieverletzungen erhöhen, da eine inäquate Verteilung der Muskelkraft zu unphysiologischen Belastungen und Fehlbelastungen der Gelenke führen kann. Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen unterstreichen die Bedeutung von Mehrgelenksübungen für eine umfassende und funktionelle Kraftentwicklung im Vergleich zu isolierten Einzelgelenksübungen.


Geschlossene vs. offene kinetische Kette: Weitreichende Folgen

Ein grundlegender und oft unterschätzter Unterschied zwischen der Beinpresse und dem Beinstrecker manifestiert sich in der Klassifizierung der Übungen hinsichtlich der kinetischen Kette. Die Beinpresse wird eindeutig als eine Übung der geschlossenen kinetischen Kette eingeordnet, während der Beinstrecker als ein typisches Beispiel für eine Übung der offenen kinetischen Kette dient.

Bei Übungen der geschlossenen kinetischen Kette verbleibt der distale Endpunkt der Bewegungskette, in diesem Fall der Fuß, während der gesamten Übungsausführung in einem festen und stabilen Kontakt mit einer unbeweglichen Oberfläche. Dieses charakteristische Merkmal führt zu einer signifikant höheren Aktivierung der stabilisierenden Muskulatur rund um die beteiligten Gelenke und ermöglicht eine optimierte Verteilung der Belastung über das gesamte Bein.

Darüber hinaus wird die Stabilität der Gelenke durch die koordinierte Zusammenarbeit der verschiedenen Muskelgruppen in einer natürlichen Bewegungskette maßgeblich verbessert. Im Kontrast hierzu erlauben Übungen der offenen kinetischen Kette eine freiere und ungebundene Bewegung der distalen Gliedmaßen, sodass das jeweilige Gelenk isoliert und ohne die stabilisierende Wirkung einer fixierten Auflagefläche belastet wird.

Obwohl dies eine gezielte Kräftigung einzelner Muskeln ermöglichen kann, birgt die isolierte Belastung gleichzeitig das Potenzial für eine höhere Beanspruchung des betroffenen Gelenks, insbesondere des Kniegelenks beim Beinstrecker. Gerade für Personen, die bereits unter Knieproblemen leiden oder eine Prädisposition hierfür aufweisen, kann der Beinstrecker aufgrund der isolierten Belastung und des potenziell erhöhten Drucks auf die Patellasehne problematisch sein. Aktuelle biomechanische Analysen zeigen, dass Übungen der geschlossenen kinetischen Kette tendenziell zu einer geringeren Scherkraftbelastung in den Gelenken führen.

Verletzungsprävention und langfristige Gelenkgesundheit: Die Vorteile der Beinpresse

Eine wohlüberlegte Kombination aus Übungen der offenen und geschlossenen kinetischen Kette kann zweifellos einen wertvollen Beitrag zu einem umfassenden und ausgewogenen Trainingsprogramm leisten. Wenn es jedoch um die langfristige Erhaltung der Gelenkgesundheit und die effektive Prävention von Verletzungen geht, bietet die Beinpresse aufgrund ihrer Charakteristika als Übung der geschlossenen kinetischen Kette entscheidende Vorteile.

Durch die Förderung einer gleichmäßigen und synergistischen Muskelaktivierung sowie die Unterstützung einer verbesserten Gelenkstabilität kann die Beinpresse dazu beitragen, potenziellen Überlastungsverletzungen vorzubeugen und die Belastung auf das vulnerable Kniegelenk signifikant zu reduzieren. Der Beinstrecker hingegen kann sich als risikoreicher erweisen, insbesondere wenn er mit übermäßig hohen Trainingsgewichten oder unter Anwendung einer inkorrekten Ausführungstechnik praktiziert wird.

Dies gilt insbesondere für Personen mit bereits bestehenden Knieinstabilitäten oder diagnostizierten Knieproblemen, bei denen das isolierte Training der Quadrizepsmuskulatur unter Umständen zu einer unerwünschten Überlastung der Gelenkstrukturen führen kann. Während der Beinstrecker in spezifischen Rehabilitations- oder Isolationsszenarien durchaus seine Berechtigung im Rahmen des Krafttrainings finden mag, erweist sich die Beinpresse für die überwiegende Mehrheit der Trainierenden als die deutlich vorteilhaftere und sicherere Wahl.

Sie beansprucht ein breiteres Spektrum an Muskelgruppen in einem physiologischen und natürlichen Bewegungsablauf, schult und verbessert die Propriozeption und leistet einen wesentlichen Beitrag zur Stabilisierung der wichtigen Gelenke der unteren Extremitäten. Wer langfristig starke, funktionelle und widerstandsfähige Beine entwickeln möchte, sollte daher dem Training an der Beinpresse eine Priorität einräumen und den Beinstrecker eher als ergänzende oder isolierende Übung in sein Trainingsprogramm integrieren.

Aktuelle Forschungsergebnisse im Bereich der Sportmedizin und Trainingswissenschaft bestätigen die Vorteile von Übungen der geschlossenen kinetischen Kette für die funktionelle Leistungsfähigkeit und die Reduktion des Verletzungsrisikos.


Quellen: Biomechanische Analysen der Kniebelastung bei offenen und geschlossenen kinetischen Kettenübungen; Studien zur Aktivierung synergistischer Muskulatur bei Mehrgelenksübungen; Forschung zur Bedeutung der Propriozeption für Gelenkstabilität und Verletzungsprävention im Krafttraining; Aktuelle sportmedizinische Empfehlungen zur Auswahl von Beinübungen für Fitness und Rehabilitation.

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