Emotion versus rationales Denken im Fitnesssport

Emotion versus rationales Denken im Fitnesssport

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Wissen allein reicht nicht

Gesundheit ist unser höchstes Gut. Wissen tun wir das. Nur wirklich so handeln – eher weniger. Seit Jahren bin ich als Personaltrainer tätig, und es hat sich einiges getan. Ob in Sachen Ernährung, Fitness oder den Auswirkungen von Stress auf unseren Körper – die Wissenschaft liefert uns kontinuierlich neue Erkenntnisse. Informationen sind allgegenwärtig und nur einen Klick entfernt. Wer wissen möchte, wie Stress auf den Körper wirkt oder welche Strategien zur Stressbewältigung am besten funktionieren, kann dies innerhalb weniger Minuten nachlesen. Ebenso wissen wir, dass regelmäßige Bewegung nicht nur für unsere Muskeln, sondern auch für unsere geistige Leistungsfähigkeit essenziell ist. Und doch bleibt ein großes Problem bestehen: Wissen allein verändert nichts.

Die große Diskrepanz zwischen Wissen und Handeln

Obwohl uns bewusst ist, dass Zigaretten schädlich sind, Zucker Übergewicht und Entzündungsprozesse fördert und Bewegungsmangel uns träge und krank macht, leben wir dennoch nicht entsprechend dieser Erkenntnisse. Trotz aller Studien, Aufklärungskampagnen und der wachsenden Zahl an Fitness-Apps sind stressbedingte Erkrankungen, Adipositas und damit verbundene Gesundheitsprobleme auf einem Höchststand. Was hält uns also davon ab, unser Wissen in die Tat umzusetzen?

Emotionen dominieren unser Verhalten

Ob Kassiererin oder Mediziner, Hochschulprofessor oder Handwerker – das Phänomen zeigt sich unabhängig vom Bildungsniveau. Ein Blick auf den Alltag offenbart: In unser Auto tanken wir doch auch kein Diesel, wenn es Superbenzin braucht. Unsere Kleidung waschen wir nicht bei neunzig Grad, wenn sie bei dreißig Grad gewaschen werden soll. Warum also behandeln wir unseren Körper nicht nach den Regeln, die wir längst verstanden haben?

Nach vielen Jahren im Coaching von Profisportlern und Top-Managern habe ich eine klare Antwort gefunden: Emotionen übertrumpfen rationale Entscheidungen. Das bedeutet, dass wir Menschen in erster Linie Freude, Genuss und Komfort suchen. Deshalb rauchen, trinken und essen wir, obwohl wir es besser wissen. Der kurzfristige Lustgewinn überwiegt die langfristigen negativen Konsequenzen.

Der Schlüssel liegt im Umdenken

Wenn das so ist, könnte man resigniert sagen: „Dann kann man eben nichts machen.“ Doch das wäre zu einfach – und falsch. Tatsächlich gibt es eine Möglichkeit, unser Verhalten dauerhaft zu verändern: Wir müssen lernen, dass Verzicht Freude macht. Und wir müssen verstehen, dass Bewegung keine Bestrafung, sondern eine Bereicherung ist.

Wie Verzicht zum Genuss werden kann

Jede langfristige Veränderung beginnt mit einem bewussten Umdenken. Statt Schokolade als Belohnung zu betrachten, sollten wir uns bewusst machen, wie gut es sich anfühlt, nach einer gesunden Mahlzeit voller Energie zu sein. Anstelle von Sport als notwendiges Übel sollten wir Bewegung als eine Quelle von Wohlbefinden erleben. Wissenschaftliche Studien belegen, dass regelmäßige körperliche Aktivität nicht nur die körperliche Gesundheit verbessert, sondern auch das Stresslevel senkt und die Ausschüttung von Glückshormonen wie Dopamin und Serotonin fördert.

Die Illusion der Wunderpille

Viele Menschen hoffen auf eine einfache Lösung – eine Wunderpille, die alle Probleme beseitigt, ohne dass sie ihr Verhalten ändern müssen. Doch diese Hoffnung bleibt eine Illusion. Dauerhafte Gesundheit erfordert aktives Handeln. Doch die gute Nachricht ist: Es ist viel einfacher, als viele denken.

Der erste Schritt zur Veränderung

Die entscheidende Frage lautet nicht, was wir tun „müssten“, sondern was wir wirklich tun WOLLEN. Sobald wir eine intrinsische Motivation entwickeln, fällt es uns leichter, gesunde Entscheidungen zu treffen. Statt uns auf Verbote und Zwänge zu konzentrieren, sollten wir erkennen, dass wir durch bewusstes Handeln unser Leben positiv beeinflussen können. Wer einmal erlebt hat, wie gut man sich nach einer intensiven Trainingseinheit fühlt oder wie klar der Geist nach einer zuckerfreien Woche wird, wird diesen Zustand immer wieder anstreben.

Ein nachhaltiger Ansatz für ein gesundes Leben

Die Wahrheit ist: Langfristige Veränderung kommt nicht über Nacht, aber sie ist möglich. Mit der richtigen Einstellung, kleinen, aber konsequenten Schritten und einer positiven Sichtweise auf Bewegung und Ernährung können wir ein gesundes, leistungsfähiges Leben führen. Nicht aus Zwang, sondern aus Überzeugung.

EUER MICHAEL BAUER

Fußnote: Quellen: Wissenschaftliche Studien zur Verhaltenspsychologie und Entscheidungsfindung, aktuelle Forschung zu den Auswirkungen von Zucker und Bewegungsmangel auf den Stoffwechsel, Untersuchungen zur Wirkung von Sport auf die Ausschüttung von Glückshormonen, Erkenntnisse aus der Neurobiologie zur Rolle von Emotionen bei der Entscheidungsfindung.

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